daniel roehe

notizen aus einem neugierigen leben

KI und ich — eine späte und erste Bestandsaufnahme

Diese Woche hat mich eine Zahl nachdenklich gemacht: Meine Bildschirmzeit zeigt, dass ich die Claude-App mehr als doppelt so lange geöffnet hatte wie Safari. Nicht absichtlich gesteuert, einfach passiert. Und genau das macht es für mich zu einem guten Moment, meinen Umgang mit generativer KI ein wenig zu reflektieren.
Denn eines muss ich zugeben: Dieses Thema hat immer noch etwas Anrüchiges. Ich merke das in Gesprächen, wenn ich erwähne, dass die KI dies oder das ausgegeben hat — da gibt es manchmal ein Stirnrunzeln, ein leises Nachfragen. Und ich verstehe das sogar. Die Skepsis ist absolut berechtigt, wenn KI-Inhalte unkritisch und unhinterfragt übernommen werden. Das wäre in meinen Augen ein Fehler.

Meine Tochter stellt gleichzeitig immer wieder interessierte Nachfragen, was ich mit KI so alles mache und wie ich sie „bediene“. Häufig fällt mir eine Antwort darauf schwer. Meine Tipps hängen immer so sehr von dem Szenario ab, in dem ich KI einsetze. Trotzdem sammel ich hier mal meine Erfahrungen und Gedanken etwas unsortiert zusammen. Der Beitrag ist für dich, Mieke! Vielleicht können andere auch davon profitieren. Registriert euch gerne auf meiner Seite und hinterlasst einen Kommentar, wenn ihr Fragen habt!

Was ist generative KI eigentlich? eine verkürzte und persönliche Definition

Mein Bild davon ist zugegeben vereinfacht, aber vielleicht hilft es, damit sinnvoll umzugehen: Generative KI — egal ob Claude, ChatGPT oder Gemini — ist im Kern eine riesige Statistik. Das Modell analysiert meine Anfrage und bedient sich aus dem gesamten Wissen, auf dem es trainiert wurde, um die Antwort zu formulieren, die am wahrscheinlichsten zu meiner Frage passt. Es ist also eine Art Reproduktion von Bestehendem — neu zusammengesetzt, auf meinen Kontext zugeschnitten. Fehler entstehen dabei zwangsläufig, das liegt in der Natur der Sache.
Aber das ist nur die technische Seite. Was mich eigentlich interessiert, ist der Umgang damit.

KI als Dialog

Ich verstehe den Einsatz von KI immer als Dialog. Nicht umsonst redet man von einem Chat — und was aus diesem Chat herauskommt, hängt entscheidend davon ab, was ich hineinbringe. Bei meinen Anfragen, den sogenannten Prompts, achte ich deshalb auf ein paar Dinge.

  1. Möglichst viel Kontext. Wer bin ich in diesem Moment? Was ist das konkrete Szenario? Was möchte ich am Ende erreichen? Je klarer ich das formuliere, desto passgenauer wird die Antwort.
  2. Konkret genug, aber nicht zu eng. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Wenn ich sehr spitze Fragen stelle, bekomme ich sehr vorhersehbare Antworten — die treffen meine Erwartungen, aber erweitern meinen Horizont selten. Wenn ich die Frage etwas offener lasse, tauchen plötzlich Aspekte auf, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. KI ist nämlich gut darin, meine eigenen Gedanken zu bestätigen — das habe ich schnell gemerkt. Wer Bestätigung sucht, bekommt sie. Wer aber Denkanstöße sucht, muss das auch so formulieren.
  3. Konkret nach Widersprüchen fragen. KI will mir immer schnelle und optimale Lösungen präsentieren. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, das kritische Aspekte, wichtige Fragen, Dinge, die nicht möglich sind, eher ausgeblendet werden. Ich frage immer gerne noch mal nach. Überraschend finde ich bei Claude manchmal, dass sie sich dann auch mal selbst korrigiert und die vormalige Aussage zurück nimmt.
  4. Schrittweise vorgehen. Wenn ich ein komplexes Projekt plane, lasse ich mir vorab gerne ein mögliches Vorgehen von der KI vorschlagen und sage ihr, dass ich nicht sofort eine Lösung wünsche. Das kann ich dann prüfen, ggf. Änderungen vorschlagen und erst dann zurück geben: lass uns das jetzt schrittweise umsetzen.
  5. Rückfragen einfordern. Ich frage bei Problemen, bei denen ich total im Dunkeln tappe oder in denen ich mich nicht auskenne, welche Details die KI noch braucht.
  6. Dateien oder Bilder beifügen. Ich finde es genial, der KI wichtige Links mit zentralen Informationen oder Artikel bzw. Handreichungen mitzugeben, die sie bei der Recherche besonders berücksichtigen soll. In letzter Zeit bin ich immer wieder überrascht, wie gut die KI auch Fotos auswerten kann.
  7. Tonalität anpassen. Wenn ich die KI bitte, Texte für mich zu überarbeiten oder zu formulieren, gebe ich ihr gerne Textauszüge von älteren Beiträge von mir und bitte sie, die Tonalität an meinen Sprschgebrauch anzupassen.

Ich bin gespannt, wie sich mein Umgang mit KI weiterentwickelt. Im Moment jedenfalls gehört sie fest zu meinem Alltag — und ich bin so motiviert wie lange nicht mehr, viele neue Erfahrungen mit ihr zu sammeln.

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1 Kommentar

  1. Mieke Röhe 31. Mai 2026

    Danke Papa. Hat mir sehr geholfen.

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