Grundsätzlich empfinde ich die Fortbildung immer als sehr bereichernd, weil auch ich an der Stelle zusätzlich Gewaltvorfälle aus der Schule reflektieren kann. Diesmal ist mir das besonder aufgefallen, weil ich in den letzten Tagen viele Ereignisse an der Schule begleitet habe. Zwei Erfahrungen habe ich dabei gemacht, die auch heute im Seminar thematisiert wurden. Zunächst ist mir aufgefallen, dass die Versorgung und Begleitung der Opfer von Gewaltvorfällen schnell aus dem Blick gerät. Mehr Aufmerksamkeit erhält in der Regel der/die Tatverdächtige (wenn auch nicht für ihn/sie unmittelbar erfreuliche). Mit der Täterbehandlung ist man natürlich bemüht, um weitere Gefahren abzuwehren. Ohne dies geht kein Krisenmanagement. Damit aber eine konstruktive und friedliche Weiterentwicklung in der Gruppe stattfinden kann, muss aber genauso das Opfer versorgt werden. Die Wunden bei den Opfern sind nicht immer offensichtlich und brauchen deshalb besondere Aufmerksamkeit.
Zu den Opfern im weiteren Sinne zähle ich übrigens auch meine Kolleginnen und Kollegen. Ein Krisenmanagement belastet einen immer ganz persönlich, aber auch die Beziehung zum Schüler. Dies wird einem im aktuen Fall nicht so bewusst und kann auch erst Tage später spürbar werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, auch im Kollegium genau zu fragen, welche Vorfälle bei wem Spuren hinterlassen. Diese müssen dann bspw. auch mit Inter- oder Supervision aufgearbeitet werden. Einerseits ist damit der Lehrergesundheit gedient, andererseits kann nur so eine konstruktive und professionelle Arbeit mit den betroffenen Schülern stattfinden.